Gesundheit 5G und Gesundheit

Bei der Einführung neuer Technologien wie 5G stehen Sicherheit und Gesundheit der Bürger an erster Stelle. Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit und sonstige Risiken werden von wissenschaftlichen Einrichtungen fortlaufend und eingehend untersucht.

5G health

Bei der Einführung neuer Technologien wie 5G stehen Sicherheit und Gesundheit der Bürger an erster Stelle. Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit und sonstige Risiken werden von wissenschaftlichen Einrichtungen fortlaufend und eingehend untersucht. Wo nötig werden zum Beispiel Expositionsgrenzwerte eingeführt oder andere geeignete Maßnahmen ergriffen. Tauchen wir ein in die Welt der elektromagnetischen Strahlung, um zu verstehen, was genau das ist.

Elektromagnetische Strahlung – was ist das?

Wir sind ständig elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. Diese kann künstlichen Ursprungs sein und zum Beispiel von industriellen oder medizinischen Geräten erzeugt werden. Aber es gibt auch natürliche elektromagnetische Strahlung wie etwa das Sonnenlicht.

Funkwellen sind eine bestimmte Form elektromagnetischer Strahlung. 5G nutzt Funkwellen, genau wie die 2G-, 3G- und 4G-Netze. Im Bereich sehr hoher Frequenzen bis 26 GHz ist die Forschung noch nicht abgeschlossen, und vorläufig besteht noch kein Interesse an der Nutzung dieses Frequenzbands. Daher wird dieses Frequenzband vorläufig nicht versteigert. Nur die Frequenzen zwischen 700 und 3800 MHz werden versteigert. Daher kann auch 5G vorläufig nur Funkwellen in diesem Frequenzbereich nutzen. Dies bedeutet, dass 5G ähnliche Frequenzbereiche nutzt wie 2G, 3G und 4G.

Das elektromagnetische Spektrum lässt sich wie folgt unterteilen:

Nichtionisierende Strahlung:

  • Elektromagnetische Strahlung mit niedriger Frequenz, bei der die Energie der einzelnen Photonen (der Quantenteilchen, aus denen die Strahlung besteht) nicht ausreicht, um die Struktur des Erbguts (DNA) zu verändern.
  • Beispiele: Mobiltelefone, Radiosender, Mikrowellen, Infrarotlampen, sichtbares Licht, Router, Radaranlagen und die hohen 5G-Frequenzen.

Ionisierende Strahlung:

  • Elektromagnetische Strahlung mit sehr hoher Frequenz, bei der die Energie der einzelnen Photonen ausreicht, um chemische Molekülbindungen aufzubrechen und so die Struktur des Erbguts zu verändern.
  • Beispiele: ultraviolettes Licht (UV-A und UV-B, verantwortlich für die Risiken des Sonnenlichts für die Haut), Röntgenstrahlen (die in der Medizin für analoge und digitale Bildgebung Anwendung finden) und Gammastrahlen (die unter anderem ebenfalls für bestimmte medizinische Anwendungen benutzt werden).

Literaturübersicht wissenschaftlicher Studien über 5G-Auswirkungen

Bei der Einführung neuer Technologien, wie 5G, stehen die Sicherheit und die Gesundheit der Bürger an erster Stelle. Deshalb werden gesundheitliche Risiken und mögliche Auswirkungen von wissenschaftlichen Instanzen gründlich studiert und begutachtet. Weil das Angebot von Studien spezifisch über 5G-Frequenzen beschränkt ist und weil Falschmeldungen sich im Internet weit verbreiten, scheint es uns eine gute Idee, die Sachlage zu erläutern. Was ist der eigentliche Stand der wissenschaftlichen Forschung über 5G?

Expositionsgrenzwerte

Es sind Höchstgrenzen festgelegt, bis zu denen Sie als Bürger Funkwellen ausgesetzt werden dürfen: die sogenannten Expositionsgrenzwerte. Festgelegt werden diese Werte von durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannten internationalen Organisationen wie der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP).

Es wurden bereits zahllose Studien durchgeführt, um das Risiko möglicher Auswirkungen der Strahlung auf den Menschen in Abhängigkeit von der Art und der Intensität der Strahlung sowie der Dauer der Exposition zu ermitteln. Ergebnis dieser Studien sind Expositionsgrenzwerte. Diese Grenzwerte berücksichtigen natürlich auch besonders empfindliche Gruppen wie Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Kranke. Daher betragen die EU-Expositionsgrenzwerte für die allgemeine Bevölkerung stets höchstens ein Fünfzigstel der bei den jeweiligen Studien festgestellten Grenzwerte. Darüber hinaus werden die Grenzwerte regelmäßig überprüft und falls nötig angepasst.

Gemäß dem heutigen Stand der Wissenschaft stellt die Aussetzung gegenüber elektromagnetischer Strahlung innerhalb dieser Grenzwerte keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar:

  • Laut ICNIRP hat „5G keine schädlichen Folgen, solange die ICNIRP-Richtlinien befolgt werden.
  • Die Weltgesundheitsorganisation bestätigt, dass „bis zum heutigen Tag auch nach intensiver Forschung keine ursächlichen nachteiligen Auswirkungen einer Exposition gegenüber Funkwellen festgestellt werden konnten“.

Dennoch ist es wichtig, bei Einführung neuer Technologien bzw. neuer Frequenzbänder wachsam zu bleiben und weitere, umfassende Forschung zu betreiben. Die Europäische Kommission unterstützt umfangreiche Forschungsanstrengungen im Bereich der Exposition gegenüber elektromagnetischen Wellen. Jede neue technologische Entwicklung geht mit einer Analyse der möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt einher. Europa hat 30 Millionen Euro bereitgestellt, um Forschungsvorhaben zum Thema 5G zu fördern.

ForscherInnen von WAVES, einem Forschungsteam von imec der UGent, zogen nach Bern, in der Schweiz, wo seit 2019 ein kommerzielles 5G-Netz aktiv ist (hier finden Sie mehr Informationen). Sie verglichen die Werte an 15 Messstellen im Umkreis von 400 Metern um eine 5G-Antenne, und dies auf verschiedenen Frequenzen. Die ForscherInnen stellten zuerst fest, dass wer kein 5G-Gerät benutzt kaum zusätzlich ausgesetzt wird. Zugleich wurde die elektromagnetische Strahlung bei einer theoretischen maximalen Belastung des Netzes beobachtet. Aufgrund der gemeldeten Messungen, gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass die 5G-Technologie sich anders als erwartet, benimmt.

Strahlungsgrenzwerte in Europa und Belgien

Die ICNIRP-Normen geben verschiedene Grenzwerte für die Strahlungsexposition hinsichtlich der elektrischen und magnetischen Feldstärke sowie der Leistungsdichte vor. Bei Exposition gegenüber elektromagnetischer Strahlung gelten für jede Frequenz bestimmte Höchstwerte in Bezug auf die Feldstärke oder die Leistungsdichte. Dabei sind die Werte für alle Frequenzen, denen der menschliche Körper ausgesetzt wird, zu addieren. So gilt zum Beispiel bei einer Frequenz von 900 MHz eine maximal zulässige elektrische Feldstärke von 41,2 V/m. Bei 3800 MHz beträgt der Höchstwert hingegen 61,4 V/m. Der Expositionsgrenzwert ist kumulativ, berücksichtigt also das gesamte Spektrum der von Funkmasten in der Umgebung ausgesendeten Strahlung (alle Technologien und alle Frequenzbänder).

In der Empfehlung 1999/519/EG des Europarats wird den Mitgliedstaaten für 900 MHz ein Grenzwert von 41,2 V/m empfohlen. Diese Empfehlung basiert auf den 1998 veröffentlichten und 2020 überarbeiteten ICNIRP-Richtlinien. Viele EU-Länder sind dieser Empfehlung gefolgt. In Belgien wurden die Empfehlungen des Europarats noch durch verschiedene Sicherheitsmargen verschärft. Die belgischen Vorschriften sind also noch strenger als die EU-Expositionsgrenzwerte.

In Belgien werden die Grenzwerte auf Ebene der Regionen festgelegt. Wichtig ist dabei, dass die Grenzwerte in den drei Regionen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar sind, da sie sich hinsichtlich der Berechnungsverfahren und der ergriffenen Maßnahmen voneinander unterscheiden.

FLÄMISCHE REGION

  • In der Flämischen Region gilt bei 900 MHz ein kumulativer Strahlungsgrenzwert von 20,6 V/m.
  • Für jede Frequenz gelten unterschiedliche Grenzwerte.
  • Für Wohngegenden gilt ein auf die Sendeantenne bezogener Grenzwert.
  • Jede einzelne Antenne darf höchstens 3 V/m zur maximalen Feldstärke beitragen.
  • Damit ist der Grenzwert viermal strenger als die ICNIRP-Normen.

Hier eine Übersicht über die in Flandern zulässigen Feldstärken (kumulativ und pro Antenne):

Frequenz

max. positionsbezogene Feldstärke (V/m)

max. antennenbezogene Feldstärke (V/m)

10 MHz bis 400 MHz

13,7

2

400 MHz bis 2 GHz

0,686·√f

0,1·√f

900 MHz

20,6

3

2 GHz bis 10 GHz

30,7

4,48

REGION BRÜSSEL-HAUPTSTADT

  • In der Region Brüssel-Hauptstadt ist die kumulative Feldstärke pro Antennenstandort begrenzt. Aktuell gilt bei 900 MHz ein Grenzwert von 6 V/m. Am 23. Juli 2021 wurde die grundsätzliche Entscheidung getroffen, den Grenzwert auf 14,5 V/m anzuheben.
  • Der Grenzwert gilt im gesamten öffentlichen Raum.
  • Auch nach dieser Erhöhung ist der Grenzwert in der Region Brüssel-Hauptstadt noch wesentlich strenger (etwa um das Achtfache) als die ICNIRP-Normen.

Hier eine Übersicht über die aktuell in Brüssel zulässigen Feldstärken (kumulativ und pro Antennenstandort):

Frequenz

max. positionsbezogene Feldstärke (V/m)

0,1 MHz bis 400 MHz

4

400 MHz bis 2 GHz

4 bis 6

900 MHz

6

2 GHz bis 300 GHz

9

WALLONISCHE REGION

  • In der Wallonischen Region gilt unabhängig von der Frequenz ein Grenzwert von 3 V/m pro Antenne. Dieser ausschließlich auf die einzelne Antenne bezogene Grenzwert erschwert den Vergleich mit dem kumulativen ICNIRP-Grenzwert.
  • Der Grenzwert gilt für Wohngegenden.

Hier eine Übersicht über die in der Wallonie geltenden Grenzwerte:

Frequenz

max. antennenbezogene Feldstärke (V/m)

100 kHz bis 300 GHz

3


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Wahr oder falsch? Mythen rund um 5G

Wie jede neue Technologie führt auch die Einführung von 5G zu zahlreichen Fragen und Sorgen. Fake News und Verschwörungstheorien breiten sich aus wie ein Lauffeuer. Die meisten dieser Mythen ranken sich um vermeintliche Auswirkungen von 5G auf die Gesundheit. Müssen wir uns wirklich Sorgen machen?

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Funkfrequenzen und Kinder

Im Zusammenhang mit dem Ausbau einer neuen Technologie wie 5G müssen die möglichen Gesundheits- und Sicherheitseffekte aufgrund der gesamten verfügbaren wissenschaftlichen Werke gründlich ausgewertet werden. Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem den sogenannten schutzbedürftigen Personen wie Kindern, schwangeren Frauen, älteren Menschen und Kranken gewidmet werden.

Elektrosensibilität 

Manche Menschen haben gesundheitliche Probleme, die sie mit elektromagnetischen Feldern in Verbindung bringen. Dieser Zustand wird als Elektrosensibilität bezeichnet. Die Betroffenen leiden unter Symptomen bei allen Frequenzen des elektromagnetischen Spektrums: von Radiowellen bis zu Lichtstrahlen.

Sie weisen eine Vielzahl von Symptomen auf, die nicht mit anderen medizinischen Problemen in Verbindung gebracht werden. Die Symptome sind von Person zu Person unterschiedlich. Bei einigen sind die Symptome so stark, dass sie sich isolieren und ihren Lebensstil völlig ändern.

Einige Symptome, die von Personen, die sich über Elektrosensibilität beklagen, der Aussetzung elektromagnetischen Feldern zugeschrieben werden, sind: 

  • Ohrensausen
  • Druck auf das Trommelfell
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Ermüdung
  • Antriebslosigkeit 
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsprobleme 

Da die Symptome und Diagnosekriterien variieren, ist es schwierig zu schätzen, wie viele Menschen von Elektrosensibilität betroffen sind. In Frankreich leiden laut der jüngsten Studie durchschnittlich 5 % der Bevölkerung an Elektrosensibilität (Bericht Anses, 2018).

Aktuell gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und den genannten Symptomen belegen (siehe z.B. diese Studie und diesen Artikel). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt in diesem Bericht weitere Informationen über elektromagnetische Strahlung und Sensibilität.

Andere Hypothesen sind vorgebracht worden, namentlich die Nocebo-Hypothese, wobei die Angst für die erwarteten Folgen die Symptome verursacht (mehr über den Nocebo-Effekt in dieser Studie). Verschiedene Untersuchungen bei Personen, die sich über Elektrosensibilität beklagen oder bei Personen, die sagen, sie seien nicht sensitiv, aber die mit beunruhigender Information über Gesundheitseffekte konfrontiert werden (z.B. Berichterstattung in den Medien), bestätigen die Rolle dieses Nocebo-Effekts. Was immer der Ursprung dieser Symptome sein mag, die Betroffenen leiden unter den Symptomen und es ist wichtig, über deren Behandlung nachzudenken (ihre Behandlung wird hier untersucht).

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Mobil telefonieren und Hirntumoren

2011 klassifizierte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hochfrequente elektromagnetische Strahlung (HF EMF) in Kategorie 2B, was bedeutet, dass die Nutzung eines Mobiltelefons potenziell für Menschen krebserregend ist. Lesen Sie hier mehr darüber, was das bedeutet und welche Entscheidungen getroffen werden können.

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Mobiltelefone und Spermienqualität

In der Vergangenheit haben mehrere Studien berichtet, dass die Nutzung von Mobiltelefonen und hochfrequente elektromagnetische Felder eine nachteilige Wirkung auf die Spermienqualität haben könnten. Internationale Experten haben jedoch bemerkt, dass alle Studien methodologische Mängel hatten, wodurch keine Schlussfolgerungen gezogen werden konnten.