Blogbeiträge Wahr oder falsch? Mythen rund um 5G

Photo 1603515161074 3206aaeb03f2
Entdecken Sie alle blogbeiträge
Sciensano

Sciensano

Wie jede neue Technologie führt auch die Einführung von 5G zu zahlreichen Fragen und Sorgen. Fake News und Verschwörungstheorien breiten sich aus wie ein Lauffeuer. Die meisten dieser Mythen ranken sich um vermeintliche Auswirkungen von 5G auf die Gesundheit. Müssen wir uns wirklich Sorgen machen? Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen sollten.

Aussage: „Die Verbreitung des Coronavirus hängt mit der Einführung von 5G zusammen.“

Falsch

Die Coronapandemie hat ihren Ursprung in der chinesischen Stadt Wuhan. Es geht das Gerücht um, dass Wuhan auch die erste Stadt gewesen sei, in der ein 5G-Netz installiert wurde. 5G-Gegner in England und in den Niederlanden haben darum mehrere 5G-Antennen in Brand gesteckt. Sie glauben, dass die 5G-Strahlung mit der Verbreitung von COVID-19 zusammenhängt.

Diese Behauptung ist aus mehreren Gründen falsch. Wuhan war nicht die erste Stadt mit einem 5G-Netz. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs war die Technik bereits in etwa 50 weiteren Städten im Einsatz. Darüber hinaus gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis für irgendeinen Zusammenhang zwischen 5G-Strahlung und der Verbreitung des Coronavirus.

Die Sabotage von 5G-Antennen kann jedoch Störungen des Mobilfunknetzes verursachen, wodurch zum Beispiel Rettungskräfte behindert werden.

Hier erfahren Sie mehr über die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G:

Aussage: „Die Gesundheitsrisiken werden auf Grundlage bestehender Forschungsergebnisse über vergleichbare Frequenzen beurteilt.“

Wahr

Die Kommunikation über elektromagnetische Strahlung ist keine neue Technologie. Von 1G bis 4G: Alle nutzen Funkwellen, um Informationen zu empfangen und zu senden. Die niedrigeren Frequenzen von 5G (zwischen 0,7 und 3,5 GHz) sind daher mit den Frequenzen bestehender drahtloser Kommunikationsnetze (zwischen 0,9 und 2,4 GHz) und WLAN (2,4 GHz bis 5 GHz) vergleichbar. Die Einführung von 5G in den höchsten Funkfrequenzen (26 GHz) wird erst dann erfolgen, wenn dafür eine Marktnachfrage besteht. Inzwischen ist die wissenschaftliche Forschung zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen in den höchsten Frequenzbändern in vollem Gange.

Seit Einführung des Mobiltelefons wurden bereits über 32.000 wissenschaftliche Studien durchgeführt. Bis heute konnten keine negativen Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit nachgewiesen werden. Darüber hinaus nimmt die Zahl der Mobilfunknutzer Tag für Tag weiter zu, ohne dass die Zahl der möglicherweise auf elektromagnetische Strahlung zurückzuführenden Erkrankungen in gleichem Maße steigt. Wenn dennoch ein Risiko besteht, so handelt es sich um ein geringes Risiko, das nur in bestimmten Fällen auftritt, zum Beispiel wenn Menschen über lange Zeit hinweg einer starken Strahlung ausgesetzt sind.

In Belgien gelten Höchstgrenzen, bis zu denen Sie als Bürger Funkwellen ausgesetzt werden dürfen: die sogenannten Expositionsgrenzwerte. Festgelegt werden diese Werte von durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannten internationalen Organisationen, zum Beispiel der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP). Die belgischen Vorschriften sind noch deutlich strenger als die EU-Expositionsgrenzwerte. Sie schützen uns vor möglichen Gefahren für unsere Gesundheit. Deshalb gelten diese Grenzwerte auf bei der Einführung von 5G. Durch die intelligenten 5G-Antennen wird die anteilige Exposition darüber hinaus noch weiter verringert.

Hier erfahren Sie mehr über Strahlung und mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit:

Aussage: „Die wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass die Nutzung von 5G Gesundheitsrisiken mit sich bringt.“

Falsch

Die Ergebnisse der bisher verfügbaren wissenschaftlichen Studien haben kein erhöhtes Gesundheitsrisiko aufgrund der Exposition gegenüber den für 5G verwendeten Wellen gezeigt.

Die wissenschaftliche Forschung zu 5G konzentrierte sich zunächst auf die möglichen Auswirkungen dieses Signals in den niedrigeren Frequenzbändern – den 700-MHz- und 3,6-GHz-Bändern, bekannt als FR1. Diese Frequenzbänder liegen relativ nahe an den Bändern, die bereits für 2G-4G-Technologien genutzt werden. Da zahlreiche Studien zu diesen letzten Frequenzbändern durchgeführt wurden, basiert die Einführung von 5G-FR1 auf dem gesammelten Wissen über die Gesundheitsrisiken der 2G-4G-Signale, während die Forschung zu den spezifischen 5G-Frequenzen fortgesetzt wurde.

Studien zum 26-GHz-Band (FR2), das kürzlich von der Europäischen Kommission als 5G-Pionierband bezeichnet wurde, wurden in einer zweiten Phase gestartet und laufen derzeit noch. In den kommenden Jahren werden mehrere große europäische Forschungsprojekte ihre Ergebnisse veröffentlichen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt deuten die verfügbaren Daten nicht auf Gesundheitsrisiken hin.

Bei der Überprüfung der Expositionsgrenzwerte im Jahr 2020 hat die Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) die neuen Frequenzen berücksichtigt und Sicherheitsfaktoren verwendet, um den Schutz vor möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu gewährleisten. Die im Rahmen der Einführung von 5G gemessenen Expositionswerte liegen weit unter diesen Grenzwerten.

Aussage: „Nur niedrige Frequenzen können tiefes Gewebe erreichen.“

Wahr

Im Hochfrequenzbereich können nur niederfrequente Wellen die inneren Organe wie das Gehirn erreichen.

Die Funksignale, die wir seit Jahrzehnten nutzen (FM-Rundfunk, 2G-4G, WLAN, ...), deren Frequenz von einigen hundert Kilohertz bis zu mehreren Gigahertz reicht (die niedrigeren Frequenzbänder – die 700-MHz- und 3,6-GHz-Bänder, bekannt als FR1), dringen einige Zentimeter in unseren Körper ein, bevor sie abgeschwächt werden; sie können also innere Organe wie das Gehirn erreichen.

Die Studien zur FR1 haben bei den üblichen Expositionswerten keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen nachgewiesen. In den höheren Frequenzen, beispielsweise in den Frequenzen des 5G-FR2, nimmt die Energie schnell ab, was bedeutet, dass vor allem die äußeren Organe, insbesondere die Haut und die Augen, exponiert sind. Für das FR2-Band von 5G konzentriert sich die Forschung logischerweise auf die Haut und die Augen, da diese Frequenzen nicht tiefer in den Körper eindringen. Bislang liegen keine Daten vor, die auf besorgniserregende Auswirkungen auf die Gesundheit hindeuten.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) bei ihrer Überprüfung der Expositionsgrenzwerte im Jahr 2020 diese neuen Frequenzen berücksichtigt und Sicherheitsfaktoren verwendet hat, um den Schutz vor möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu gewährleisten. Die im Rahmen der Einführung von 5G gemessenen Expositionswerte liegen weit unter diesen Grenzwerten.

Aussage: „5G ist überflüssig, 4G ist leistungsfähig genug.“

Falsch

Die Zahl der mobilen Endgeräte steigt Tag für Tag, ebenso wie der tägliche mobile Datenverbrauch. Dadurch wird das 4G-Netz allmählich überlastet. Es wird erwartet, dass in Brüssel das 4G-Netz etwa 2022 vollständig ausgelastet sein wird. Deshalb brauchen wir 5G, um die steigende Nachfrage decken zu können.

Jede neue Technologie bietet Verbesserungen. So zeichnet 5G sich durch eine geringere „Latenz“, also eine schnellere Reaktionszeit aus. Dadurch ist 5G zuverlässiger als 4G. Die Technologie kann für zahllose neue Anwendungen eingesetzt werden, Stichworte sind hier intelligente Städte und autonomes Fahren.

Hier erfahren Sie mehr über die technischen Spezifikationen von 5G und Anwendungsmöglichkeiten in der Wirtschaft:

Aussage: „5G tötet Vögel.“

Falsch

2018 wurden in einem Park in Den Haag Hunderte verendete Vögel gefunden. Der Tod der Vögel wurde schnell mit der Installation einer 5G-Antenne in Verbindung gebracht. Doch zum damaligen Zeitpunkt war die 5G-Technologie in der Region noch gar nicht in Betrieb. Eine Studie der Universität Wageningen hat gezeigt, dass die Vögel wahrscheinlich vergiftet wurden.

Aussage: „Die Niederlande hat 5G-Tests gestoppt, als Kühe krank wurden.“

Falsch

Die niederländische Telekommunikationsbehörde hat diesen Mythos nicht bestätigt. Es wurde kein einziger Test gestoppt, weil Kühe krank wurden. Genau wie beim Menschen gibt es auch bei Tieren keinen wissenschaftlichen Nachweis für schädliche Folgen der 5G-Strahlung auf die Gesundheit, solange die Expositionsgrenzwerte eingehalten werden. Hier erfahren Sie mehr über die Auswirkungen von 5G auf die menschliche Gesundheit.

"Schützen Schmuck und Schlafmasken mit negativen Ionen vor 5G-Strahlung?"

Falsch

Manche Medien und bestimmte Foren treiben Werbung für Armbänder/Schmuck und sogar Schlafmasken mit so genannten „negativen“ Ionen, die als Schutzmittel vor dem negativen Einfluss von 5G-Strahlung getragen werden können. Oft wird von solchen Schmuckstücken behauptet, sie verstärken das Abwehrsystem, verhüten Krankheiten, helfen dem Körper besser zu funktionieren und helfen uns ein „Gleichgewicht zu finden“. Dies stimmt nicht. Im Gegenteil, einige dieser „Wearables“ können sehr gefährlich sein, dadurch, dass sie eigentlich aus radioaktivem Material hergestellt sind, das der Gesundheit derjenigen, die sie tragen, schaden kann, da eine höhere Exposition an radioaktivem Material das Krebsrisiko erhöht. Nebenan können sie auch ein falsches Sicherheitsgefühl geben.

Ein Artikel, der vor Kurzem in der Zeitung „De Standaard“ erschien, fasst eine Studie des RIVM über diese Wearables zusammen.