Lisa Michelant, Laurent Hugueville, Philippe Lévêque, Brahim Selmaoui
In dieser Studie untersuchten die Forscher die Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen 5G-Feldern (5G-EMF) in einem höheren Frequenzband, 26 GHz. Die Benutzung dieses Bandes ist relativ neu und noch nicht weit verbreitet in Europa. Im Moment wird dieses Band in Belgien noch nicht für telefonische Kommunikation eingesetzt. Außerdem gibt es nur wenige wissenschaftlichen Studien hierüber und aus ihren Ergebnissen lassen sich keine Schlussfolgerungen ziehen.
Über diese Studie wurde in mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen berichtet, wobei die Daten aus denselben Experimenten benutzt worden sind. Hier haben die Forscher sich auf die möglichen Effekte der 5G-EMF-Exposition (26 GHz) auf die elektrische Aktivität des Gehirns konzentriert. Die Expositionsniveaus waren 2 V/m (Kopf) und 1 V/m (Rumpf), was mit realistischen Umgebungsexpositionen übereinstimmt.
Insgesamt haben 31 Erwachsenen an einem Experiment, das aus zwei Testsitzungen von 2 bis 7 Tagen bestand; teilgenommen. Die Teilnehmer wurden entweder gegenüber 5G-EMF, oder einer Scheinexposition exponiert, d. h.in Umständen, die mit den Bedingungen der Exposition identisch waren, aber wobei der 5G-EMF-Generator ausgeschaltet war.
Die Tests, die ungefähr eine Stunde dauerten, waren in verschiedenen Phasen von je 8 Minuten und 30 Sekunden aufgeteilt:
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Präexposition: Phase 1 und 2
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Exposition gegenüber 5G-EMF oder Scheinexposition während 25 Minuten und 30 Sekunden: Phase 3, 4 und 5
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Postexposition: Phase 6 und 7
Während jeder Phase (vor, während und nach der Exposition) mussten die Teilnehmer auf Weisung der Forscher aufeinanderfolgend die Augen öffnen und schließen. Gleichzeitig wurde die elektrische Aktivität ihres Gehirns mithilfe von an ihrem Haupt befestigten Elektroden, Elektroenzephalogramm (EEG) genannt, registriert. Dabei wurden verschiedene Gehirnwellen, die die elektrische Aktivität des Gehirns widerspiegeln, insbesondere die bei gesunden und wachen Erwachsenen beobachteten Alpha-Wellen gemessen. Die Aktivität dieser Wellen senkt sich während des Schlafes oder während einer Konzentration erfordernde Aufgabe.
Die 5G-EMF-Expositions- oder Scheinexpositionssitzung waren an genauen Zeitpunkten des Tages, morgens oder nachmittags, geplant, um der Einfluss der inneren Uhr zu minimisieren. Die Forscher haben sich vorher vergewissert, dass die Teilnehmer keine Gesundheitsprobleme hatten. Zudem mussten die Teilnehmer vermeiden, während 24 Stunden vor jeder Sitzung, Aufputsch- oder Betäubungsmittel, die die Ergebnisse beeinflussen können, wie Koffein, Alkohol oder Schokolade, zu nutzen.
Neben der elektrischen Aktivität des Gehirns wurden auch die kognitiven Funktionen, die Konzentration von Stressmarkern im Speichel und die Aktivität des autonomen Nervensystems analysiert, aber über diese Analysen wird in anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen diskutiert. Deswegen werden sie nicht hier besprochen.
Die Forscher stellten keine wesentlichen Änderungen in der elektrische Aktivität des Gehirns der Teilnehmer nach der 5G-EMF-Exposition bei geschlossenen Augen fest. Die Ergebnisse der Phasen mit den geöffneten Augen konnten durch die Anwesenheit von unerwünschten Signalen, die die Messung der Gehirnwellen störten, nicht analysiert werden.
In dieser Studie haben die Forscher wichtige Qualitätskriterien eingehalten. Sie haben die Untersuchungen dreifach blind durchgeführt, dies heißt, dass weder die Teilnehmer, die bei den Untersuchungen anwesenden Forscher oder Diejenigen die die Analysen durchgeführt haben, über den Status (Exposition oder nicht) der Teilnehmer oder ihrer Proben informiert waren. Die Inklusion einer Scheingruppe ist auch eine wichtige Bedingung, um dafür zu sorgen, dass kein anderer Faktor in der Umgebung (neben der Exposition) die Ergebnisse der Studie beeinflussen kann. Die Forscher haben auch die Temperatur der Haut der Teilnehmer gemessen, damit etwaige von einem Temperaturanstieg verursachten Effekte (thermische Effekte) ausgeschlossen wurden. Daneben wurde auch wichtige Störfaktoren, wie den Moment des Tages, woran die Experimente durchgeführt wurden, berücksichtigt. Obwohl die Forscher die Niveaus von Exposition gegenüber 5G-EMF verdeutlicht haben, ist die spezifische Absorptionsrate (SAR), die die Menge hochfrequenter Energie zeigt, die vom Körper absorbiert wird und womit die Exposition einer Person oder eines spezifischen Organs bestimmt werden kann, trotzdem nicht berechnet worden.
Obwohl diese Art Studie in der Vergangenheit schon durchgeführt worden ist, ist es das erste Mal, dass ein 5G-EMF-Signal von 26 GHz studiert wurde. Die Ergebnisse entsprechen denen einer vorherigen Studie, aber widersprechen den Ergebnissen von anderen Studien. Diese Unterschiede können von den per Studie unterschiedlichen Expositionsbedingungen erklärt werden. Daher ist es wichtig, die Ergebnisse dieser Studie zu wiederholen und andere Expositionsbedingungen, wie eine längere Dauer, zu sondieren, um ein kompletteres und zuverlässigeres Bild zu bekommen.