Die Forscher haben daher eine Gruppe menschlicher Zellen 15 Minuten lang HF-EMF ausgesetzt. Sie haben auch eine Scheingruppe aufgenommen, d. h. eine Gruppe von Zellen, die unter dieselben Bedingungen wie die exponierte Gruppe gestellt wurden, aber ohne tatsächliche Exposition. Die Zellen wurden in denselben Brutapparat unter denselben Bedingungen, aber mit einem ausgeschalteten Expositionssystem, gestellt. Dies sorgt dafür, dass ein etwaiger Unterschied zwischen den zwei Gruppen der Exposition und nicht einem anderen Parameter innerhalb der Testumgebung, der zwischen den zwei Gruppen unterschiedlich wäre, zuzuschreiben ist. Nach der Exposition oder der „Scheinexposition“ warteten die Forscher 2 Stunden und 45 Minuten, bevor sie ihre Analysen durchführten, sodass die Zellen Zeit hatten, gegebenenfalls auf die Exposition zu „reagieren“. Dieses Experiment wurde mit unterschiedlichen Konzentrationen der HF-EMF-Exposition wiederholt.
Die Ergebnisse zeigten eine Zunahme oder Abnahme der Genexpression, die an der Bildung von ROS beteiligt sind, je nach den unterschiedlichen Expositionskonzentrationen. Die Genexpression ist der Prozess, bei dem die Zelle die Informationen in einem Gen nutzt, um ein Protein zu produzieren, das ihr ermöglicht, korrekt zu funktionieren. Die Beziehung zwischen Genexpression und Expositionsniveau ist jedoch nicht linear, was bedeutet, dass eine höhere Exposition nicht notwendigerweise zu einer höheren Reaktion führt. Die Forscher weisen daher auf die Möglichkeit einer sogenannten „hormetischen“ Reaktion hin, also einer biologischen Reaktion, bei der eine niedrige Dosis (in diesem Fall HF-EMF) einen positiven Effekt haben kann, während eine höhere Dosis schädlich wirken kann.
Diese Studie hat eine Reihe von positiven Aspekten. Die Temperatur im Brutapparat während der tatsächlichen HF-EMF-Exposition oder „Scheinexposition“ wurde gemessen, und es wurde kein Temperaturanstieg beobachtet. Die Forscher wollten so die Möglichkeit eines thermischen Effekts (aufgrund eines Temperaturanstiegs) ausschließen. Dies ist ein positiver Punkt, obwohl die Einführung einer Sonde in das Zellkulturmedium zu genaueren Ergebnissen geführt hätte. Das Vorhandensein einer Scheingruppe ist ebenfalls ein positiver Punkt.
Bestimmte Qualitätskriterien, die für die Zuverlässigkeit der Ergebnisse wichtig sind, wurden jedoch nicht eingehalten. Die Experimente wurden ja nicht blind durchgeführt. Dies ist eine wichtige Bedingung, da sie bedeutet, dass die Forscher nicht wissen, welche Zellen HF-EMF ausgesetzt sind oder nicht. Auf diese Weise wird jeder Einfluss auf die Interpretation der Ergebnisse, auch unbeabsichtigt, verhindert. Darüber hinaus erwähnten die Forscher keine Informationen über die Methode zur Messung der EMF-Exposition (Dosimetrie) der Zellen. Diese Informationen sind sehr wichtig, da sie einen Einblick in die tatsächliche Exposition der Zellen bieten. Im Allgemeinen wird dies durch die spezifische Absorptionsrate (SAR auf Englisch, kurz für „Specific Absorption Rate“) ausgedrückt. Die SAR ist die Maßeinheit, ausgedrückt in Watt pro Kilogramm (W/kg), mit der die Energiemenge von HF-EMF, die der Körper – oder in diesem Fall die Zellen – absorbiert, wenn er einer solchen Feldquelle ausgesetzt ist, gemessen werden kann.
Angesichts der methodischen Einschränkungen ist es daher wichtig, bei den Schlussfolgerungen dieser Studie vorsichtig zu sein.