Die Forscher führten eine experimentelle In-vitro-Studie durch, d. h. im Labor an Zellen. Sie verwendeten Zellen des menschlichen Immunsystems, sogenannte Monozyten (eine Art weißer Blutkörperchen). Diese haben die Fähigkeit, sich in spezialisierte Zellen der Immunantwort zu differenzieren, wie zum Beispiel Makrophagen, die Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren sowie geschädigte Zellen eliminieren. Sie spielen eine Schlüsselrolle in der ersten Verteidigungslinie des Organismus.
Die Studie umfasste verschiedene Expositionsgruppen:
- Gruppen, die HF-EMF (1800 MHz) ausgesetzt wurden, entweder kontinuierlich (CW, kurz für continuous wave) oder mit einer Modulation zur Simulation der Mobiltelefonsignale, für eine Expositionszeit von 30 Min., 4 Stunden oder 24 Stunden (insgesamt 6 ausgesetzte Gruppen). Die Zellen wurden einer spezifischen Absorptionsrate (SAR auf Englisch, kurz für „Specific Absorption Rate“, die Maßeinheit, ausgedrückt in Watt pro Kilogramm (W/kg), welche die Energiemenge misst, die vom Körper bei einer HF-EMF-Exposition von 2,0 W/kg absorbiert wird) ausgesetzt.
- Scheingruppen für jede Expositionszeit (30 Min., 4 Stunden, 24 Stunden): Dieser Scheinbedingung besteht darin, die nichtausgesetzten Zellen unter denselben Bedingungen wie die ausgesetzten Zellen zu stellen, mit Ausnahme der Exposition selbst. Beispielsweise werden die Zellen in denselben Raum mit denselben Nährböden, aber mit einem ausgeschalteten Expositionssystem gestellt. Dadurch kann sichergestellt werden, dass ein etwaiger Unterschied zwischen den zwei Gruppen der Exposition und nicht einem anderen Parameter innerhalb der Testumgebung, der zwischen den zwei Gruppen unterschiedlich wäre, zuzuschreiben ist.
- Positivkontrollgruppen: Die Prüfer verwendeten Stoffe wovon bekannt ist, dass sie eine Immunantwort auslösen, um zu prüfen, ob die Zellen und Messmethoden die erwarteten Ergebnisse lieferten und daher für die Experimente zuverlässig waren.
- Negativkontrollgruppen: Die Zellen wurden mit neutralen Substanzen wie sterilem Wasser behandelt, um ihre Antwort ohne Stimulation zu bestimmen.
Die Forscher haben anschließend das Vorhandensein der verschiedenen Proteine, die an der Immunantwort beteiligt sind, gemessen. Sie zeigten keine signifikante Auswirkung nach der Exposition gegenüber HF-EMF.
Die Forscher schlussfolgerten, dass, unter den Versuchsumständen dieser Studie, die Exposition von Monozyten gegenüber HF-EMF von 1800 MHz bei einer SAR von 2,0 W/kg über einen Zeitraum von höchstens 24 Stunden, die untersuchten Proteine, die an der Immunantwort beteiligt sind, nicht signifikant verändert hat. Sie bestehen jedoch darauf, dass diese Ergebnisse nicht auf andere Zelltypen, längerfristige Expositionen oder unterschiedliche Häufigkeiten übertragen werden können. Darüber hinaus erinnern sie daran, dass die wissenschaftliche Literatur in diesem Bereich immer noch sehr heterogen ist; einige Studien beobachteten Auswirkungen, andere nicht.
Die Studie wurde im Allgemeinen dank einer gründlichen Methode gut durchgeführt. Die Forscher verwendeten eine Scheingruppe (wie oben erläutert). Dies ermöglicht einen zuverlässigen Vergleich der beiden Ergebnisse. Um die Wirksamkeit ihrer Messmethoden zu gewährleisten, verwendeten sie auch Stoffe, von denen bekannt ist, dass sie in den Zellen eine Reaktion auslösen. Diese Zellen reagierten tatsächlich, was zeigt, dass das Experiment eine Auswirkung hätte entdecken können, wenn die EMF eine solche ausgelöst hätten.
Die Tests wurden blind durchgeführt. Diese ist eine wichtige Bedingung, weil sie bedeutet, dass die Forscher nicht wissen, welche Stichproben HF-EMF ausgesetzt wurden oder nicht, um jeglichen Einfluss auf die Ergebnisse, auch unbeabsichtigt, zu vermeiden. Die Expositionsbedingungen für die EMF waren gut definiert (1800 MHz, CW- oder GSM-Signaltyp, Dauer von 30 Min. bis 24 Stunden, SAR von 2 W/kg), wodurch das Experiment genau wiederholt werden kann. Schließlich haben sie kontinuierlich überprüft, ob die Temperatur während der gesamten Dauer der Tests stabil blieb. Dies ist sehr wichtig, da ein Temperaturanstieg die Ergebnisse beeinträchtigen könnte. Da die Temperatur stabil geblieben ist, können wir hier sagen, dass die gemessenen Auswirkungen nicht von einer thermischen Auswirkung stammen, sondern von den HF-EMF selbst, wenn es eine Auswirkung gegeben hätte.
Diese Studie ist von guter Qualität. Wie die Autoren jedoch betonen, sind zusätzliche Studien, unter Verwendung anderer zellulärer Modelle oder Expositionsbedingungen erforderlich, um das Verständnis der potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen von HF-EMF zu vertiefen.