In ihrer Studie führten die Forscher zwei große, separate Experimente an männlichen Ratten durch.
Die erste hatte das Ziel, die Auswirkungen einer akuten Exposition, d. h. einer kurzen und nichtwiederholten Exposition, auf die neuronale Aktivität zu bewerten. Die Ratten wurden randomisiert in sechs Neunergruppen eingeteilt und jeweils 2 Stunden in Ruhe verschiedenen HF-EMF-Konzentrationen, ausgedrückt in BASAR (Brain Average Specific Absorption Rate oder durchschnittlicher spezifischer Absorptionsrate (SAR)) des Gehirns ausgesetzt. Die BASAR, ausgedrückt in Watt pro Kilogramm (W/kg), berücksichtigt die Energiemenge, die hier im Durchschnitt vom Gehirn während der HF-EMF-Exposition absorbiert wird:
- Scheingruppe (0 W/kg): diese Scheinbedingung erfordert, dass die nichtexponierten Tiere unter dieselben Bedingungen wie die exponierten Tiere, jedoch ohne tatsächliche Exposition gestellt werden (die Tiere werden beispielsweise unter denselben Bedingungen in denselben Käfig gestellt, aber mit einem ausgeschalteten Expositionssystem). Dies sorgt dafür, dass ein etwaiger Unterschied zwischen den zwei Gruppen der Exposition und nicht einem anderen Parameter innerhalb der Testumgebung, der zwischen den zwei Gruppen unterschiedlich wäre, zuzuschreiben ist
- Gruppe, die 0,5 W/kg ausgesetzt ist
- Gruppe, die 1 W/kg ausgesetzt ist
- Gruppe, die 2 W/kg ausgesetzt ist
- Gruppe, die 4 W/kg ausgesetzt ist
- Gruppe, die 6 W/kg ausgesetzt ist
Das zweite Experiment zielte auf die Beobachtung der Auswirkungen einer subchronischen Exposition, d. h. eine wiederholte Exposition gegenüber HF-EMF für einen begrenzten Zeitraum zwischen akuter (kurzer) und chronischer (langer) Exposition. Es handelt sich hier um eine Exposition gegenüber HF-EMF für 45 Minuten pro Tag über einen Zeitraum von 10 oder 14 Tagen, je nach Test. Die Ratten wurden in 4 Gruppen mit je 12 Ratten eingeteilt und waren folgenden Aufgaben unterworfen:
- Negativkontrollgruppe: nichtexponierte Ratten, die in ihrem ursprünglichen Käfig gehalten werden, ohne den Bedingungen einer Versuchsimmobilisierung oder Manipulation ausgesetzt zu werden
- Scheingruppe: wie oben beschrieben, nichtexponiert (0 W/kg), jedoch unter denselben Versuchsbedingungen wie die exponierten Gruppen
- Gruppe, die 1 W/kg ausgesetzt ist
- Gruppe, die 3,5 W/kg ausgesetzt ist
Für jede dieser Gruppen wurden die Ratten dann in zwei separate Teilgruppen (von 6 Ratten/Gruppe) eingeteilt, um nur einen der beiden Gedächtnistests durchzuführen. Die Anzahl der Fehler und die Zeit, die für die Ausführung der Aufgabe benötigt wurde, wurden registriert, um die Leistungen in diesen Tests zu bewerten.
- Test des räumlichen Arbeitsgedächtnisses (10 Tage): Die Ratten erkundeten ein achtarmiges Labyrinth, um Nahrung zu finden, wobei sie die bereits erkundeten Arme mithilfe räumlicher Orientierungspunkten vermieden
Die Forscher bewerteten auch, ob die Exposition bei den Ratten eine Veränderung der neuronalen Aktivität (wie oben beschrieben) verursacht hat, indem sie einen spezifischen Marker für diese Aktivität in den verschiedenen Hirnregionen detektierten.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Exposition gegenüber akuten HF-EMF (2 Stunden) die Gehirnaktivität in bestimmten Hirnregionen von Ratten, die nur 1 W/kg ausgesetzt waren, im Vergleich zur Scheingruppe signifikant veränderte. In Bezug auf wiederholte Expositionen über mehrere Tage (1 und 3,5 W/kg) sahen die Forscher in einigen Regionen eine signifikante Abnahme der neuronalen Aktivität im Vergleich zur Scheingruppe. Diese Veränderungen der neuronalen Aktivität waren jedoch nicht mit einer Abnahme der Leistungen während der verwendeten Tests verbunden.
Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Exposition gegenüber HF-EMF sogar bei niedrigen Dosen lokale Veränderungen der Gehirnaktivität verursachen kann. Diese Veränderungen gehen jedoch nicht mit messbaren kognitiven Auswirkungen (d. h. auf das Gedächtnis oder die Lernfähigkeit) unter den Umständen und mit den hier verwendeten Tests einher. Sie betonen, dass die beobachteten Auswirkungen eine Anpassung des Gehirns an die Exposition widerspiegeln können und betonen die Notwendigkeit weiterer Forschung mit empfindlicheren Tests, längeren Expositionszeiten oder gründlicheren zellulären Analysen, um mögliche langfristige Folgen zu beurteilen.
Diese Studie wurde im Allgemeinen nach mehreren anerkannten Kriterien, die es ermöglichten, Versuchsverzerrungen, d. h. systematische Fehler, welche die Ergebnisse einer Studie beeinträchtigen können, entweder durch Verstärkung oder durch Verringerung der beobachteten Wirkungen, zu begrenzen, gut durchgeführt. Die wichtigsten Kriterien, denen in dieser Studie erfüllt werden, sind:
- Die Forscher nutzten negative Kontrollgruppen und Scheingruppen
- Es wurde eine Temperaturkontrolle durchgeführt, um einen etwaigen Temperaturanstieg aufgrund der HF-EMF-Exposition, der die Ursache für beobachtete nachteilige Auswirkungen sein könnte, auszuschließen.
- Die Experimente wurden blind durchgeführt, was bedeutet, dass zur Verhinderung der Beeinflussung der Ergebnisse, auch wenn diese unbeabsichtigt ist, die Forscher den Expositionsstatus gegenüber HF-EMF (hoch, niedrig oder gar nicht) nicht kannten.
Zusätzlich zu den Vorkehrungen, die von den Autoren im Hinblick auf ihre Schlussfolgerungen getroffen wurden, ist es auch wichtig daran zu denken, dass es sich hierbei um eine einzige, an Tiermodellen (Ratten) und nicht an Menschen durchgeführte Studie handelt. Daher können die bei Ratten beobachteten Ergebnisse, die auf lokalisierte Veränderungen der Gehirnaktivität ohne Auswirkung auf die kognitive Ebene hindeuten, ohne weitere Untersuchungen nicht direkt auf den Menschen extrapoliert werden.